Atlas of Torture: Informations- und Kooperationsplattform für den globalen Kampf gegen Folter

Folter und andere Formen der Misshandlung sind trotz des universellen Verbotes weiterhin weltweit grausame Realität, welche die Mehrheit der Staaten weltweit betrifft. Zugleich fehlt das Bewusstsein für das Problem. Wie der UN-Sonderberichterstatter über Folter beschreibt, leben wir in einer Zeit der „kollektiven Amnesie“, in der offizielle Berichte und die öffentliche Meinung Folter im Zeichen der Sicherheit und des Kampfes gegen Terrorismus verharmlosen und sogar gutheißen. Dabei wird vergessen, welches Leid und welchen Schaden sie anrichtet.

Zahlreiche internationale und innerstaatliche Akteure setzen sich durch Monitoring, Forschung, Öffentlichkeitsarbeit, technische Unterstützung etc. im Kampf gegen Folter und andere Formen von Misshandlungen ein. Allerdings gestaltet sich der Zugang zu Informationen über das Problem als nicht ausreichend. Good-Pratice Beispiele und Richtlinien zur Prävention werden nicht nur ungenügend dokumentiert, sondern werden außerdem nur begrenzt öffentlich zugänglich gemacht. Ferner verteilen sich Informationen zu den Hauptursachen des Problems sowie zu bewährten Praktiken für die wirksame Vermeidung von Folter und  Misshandlungen auf verschiedene Quellen und ihre Dokumentation erfolgt nur unzureichend.

Außerdem führt eine unzureichende Koordinierung zwischen verschiedenen Akteuren zu regelmäßigen Überschneidungen und ungenutzten Synergien. Das Potenzial von internetbasierten Technologien muss im Hinblick auf mögliche Kooperationen, besseren Austausch und effektive Unterstützung und Lernmöglichkeiten in Zukunft noch weiter untersucht werden.

Aus diesen Gründen zielt der Atlas of Torture darauf ab, Organisationen und Einzelpersonen in ihrem Wirken zu bekräftigen und den globalen Kampf gegen Folter und Misshandlung zu stärken, indem:

  • das Bewusstsein für das Problem der Folter und Misshandlung geschaffen bzw. geschärft wird und dafür, wie das Problem durch Dokumentation, Lernen und Austausch verhindert werden kann.
  • Informationen zu Folter und Misshandlung leicht zugänglich gemacht werden.
  • die Arbeit der AkteurInnen, die sich im Kampf gegen Folter und Misshandlung einsetzen, sichtbarer gemacht wird.
  • der Austausch und die Zusammenarbeit gestärkt werden.

Mit dem Atlas of Torture schaffen wir einen one-stop-shop für ForscherInnen und Personen aus der Praxis. Die Website soll AkteurInnen als zentrale Anlaufstelle dienen, um einfach und ungehindert auf aktuelle Informationen und Strategien zur Prävention von Folter und andere Formen der Misshandlung zugreifen zu können.

Um dies zu erreichen wird die Webseite aus drei Kernelementen bestehen:

  1. Die Datenbank: Das Kernelement des neuen Atlas of Torture wird eine benutzerInnenfreundliche Datenbank über die Situation von Folter und anderen Formen der Misshandlungen und ihre Prävention sein. Sie wird es BenutzerInnen erlauben, Dokumente durch Filter und zielgerichtete Suchergebnisse zu finden. Des Weiteren werden Möglichkeiten der Visualisierung und graphischen Darstellung ausgelotet, um den Zugang und die Nutzungsfreundlichkeit zu erhöhen.
  2. Die Projekt- und Aktivitätenkarte: Das zweite Element der Website stellt eine Karte der relevanten Akteure dar, die in den Kampf gegen Folter und andere Formen der Misshandlungen involviert sind. Dies beinhaltet Projekte und Aktivitäten wie beispielsweise Konferenzen, Workshops, Vorlesungen, Reden und Länderbesuche etc. Dies wird nicht nur mehr Sichtbarkeit für die Arbeit dieser Akteure und Organisationen erzeugen, sondern auch die Koordination und Kooperation zwischen Akteuren erhöhen und somit Überschneidungen reduzieren und Synergieeffekte stärken. Sie soll es außerdem MenschenrechtsvertreterInnen erlauben, gegenseitig auf ihrer Arbeit aufzubauen.
  3. Die Lern- und Austauschplattform: Die “Lern- und Austauschplattform” stellt die dritte Säule der Website dar und ermöglicht es BenutzerInnen mehr über das Thema zu lernen und sich über Folter und andere Formen der Misshandlungen auszutauschen. Dabei soll erforscht werden, wie mittels innovativer Lernformate Aufmerksamkeit auf den Themenbereich Prävention von Folter und Misshandlungen gerichtet werden kann.

Eine Betaversion der Datenbank wurde am 26. Juni 2018 veröffentlicht. Die beiden anderen Komponenten - Projekt- und Aktivitätenkarte sowie Lern- und Austauschplattform werden im Laufe des Jahres 2019 online gehen.

Der Atlas of Torture ist ein Projekt der Abteilung Menschenwürde und öffentliche Sicherheit in Kooperation mit HURIDOCS (https://www.huridocs.org/). Er basiert auf der langjährigen Expertise, Erfahrung und Dokumentation des Instituts im Bereich des Kampfes gegen Folter und andere Formen der Misshandlungen sowie auf HURIDOCS Expertise in der Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen im Umgang mit Information und Technologie in einfachster und effizientester Weise.

Das Atlas of Torture Projekt baut auf dem ehemaligen Projekt „Atlas of Torture: Monitoring and Preventing Torture Worldwide – Building Upon the Work of the UN Special Rapporteur” auf, welches das Ziel hatte, die Arbeit des UN-Sonderbeauftragten über Folter Manfred Nowak zu verbreiten (für mehr Informationen über das ehemalige Atlas of Torture Projekt: http://bim.lbg.ac.at/de/atlas-torture-monitoring-and-preventing-torture-worldwide-building-upon-work-un-special-rapporteur-1)

Land: 
Weltweit
Beteiligte Personen : 

Giuliana Monina, Nóra Katona, Moritz Birk

Kontakt: 
Trägerorganisation: 
Ludwig Boltzmann Institute of Human Rights
Partnerorganisationen: 
HURIDOCS
Projektstart: 
01/2018
Gefördert von: 
FWF Der Wissenschaftsfond und Crowdfunding (via startnext: https://www.startnext.com/en/atlas-of-torture)
Team: 
Human Dignity and Public Security