Good Practise

Positive Maßnahmen können viele "Gesichter" haben. Es ist nicht nur die klassische Quote, die darunter verstanden wird.

Die Eingrenzung bzw. Abgrenzung von positiven Maßnahmen gegenüber anderen Instrumenten der strategischen Unternehmens-/ Organisationsgestaltung sind oft nicht ganz einfach.

Auf einer ExpertInnentagung "Positive Maßnahmen - Eine Strategie zur Bekämpfung von Diskriminierungen und zur Herstellung von Chancengleichheit?" im April 2009 wurden einige Beispiele für Positive Maßnahmen vorgestellt. Kurzdarstellungen dieser Projekte stehen nachfolgend zum Download zur Verfügung. Sie sollen exemplarisch darstellen, wie die Umsetzung von positiven Maßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen aussehen kann, welche Stolpersteine zu beachten und welche Erfolgsfaktoren maßgeblich sind.

Einige Erfahrungen und Erlebnisse der Projektverantwortlichen zur Illustration:

"5. Klasse, 1. Stunde des Schuljahres: 35 SchülerInnen. Die meisten stehen auf, als die Lehrerin den Raum betritt, unterhalten sich jedoch dabei, lachen, drehen sich nach hinten um, .... Frage der Lehrerin: "Warum steht ihr auf?" Diverse Antworten: "Machen wir immer -- Sind wir gewohnt -- Müssen wir doch, oder? Na, weil Sie eine Respektsperson sind..." Lehrerin: "Von mir aus müsst ihr nicht aufstehen!" Daraufhin Irritation und hitzige Diskussion über die Frage "Wie zeigt sich Respekt? Wer verdient Respekt?" Die SchülerInnen versuchen zu begründen, warum Respekt nicht jedem gewährt werden kann, warum Respekt Ermessenssache ist. Daraufhin Durchspielen der Situation im Rollenspiel (zwei sehr eloquente Burschen spielen). Schnell wird klar, dass die vorgebrachten Argumente nicht halten (Äußeres, Herkunft, soziale Stellung...) vor der Tatsache, dass jeder MENSCH IST. Die Folge: Verstanden wurde, dass ich den anderen zuallererst als Mensch WAHRNEHMEN muss, UNABHÄNGIG von Aussehen, sozialer Stellung ....UND DASS DIES TÄGLICH GEÜBT WERDEN MUSS, DENN WIR WERTEN UND URTEILEN AUS GEWOHNHEIT, WAS WIR GEWÖHNT SIND, ERSCHEINT UNS "NATÜRLICH"..."
(Brigitte Grussmann, Brigittenauer Gymnasium) 

"Ein Hauptbestandteil unserer Betriebsgespräche bzw. Seminare ist die Sensibilisierung zum Thema "Behinderung, chronische und/oder psychische Erkrankung" bzw. den TeilnehmerInnen die Angst und Unsicherheit vor dieser betroffenen Personengruppe zu nehmen.

Nachdem ich als Leiter des Chancen Nutzen Büros selbst eine sichtbare und für andere wahrnehmbare starke Gehbehinderung habe, schildere ich gerne, dass ich selbst bei einigen Fußball-Teams mit zwei Stützkrücken mitspiele um zu sensibilisieren und auch aufzuzeigen, dass Menschen mit Behinderung oftmals weit mehr (berufliche) Aktivitäten durchführen können, als man ihnen, durch die oftmals selbst eingeschränkten Bilder, zu traut. Einen zusätzlichen Effekt, welchen ich durch die Beschreibung  meiner speziellen Methode mit zwei Stützkrücken Fußball zu spielen bewirke, ist, dass ich dadurch meinem Gegenüber die Hemmschwelle nehme und ein neugieriges und offenes Nachfragen erwirke, was die Stimmung in meinen Beratungen und Vorträgen innerhalb kurzer Zeit sehr auflockert.

Gegenüber PersonalistInnen dürften bei einigen Menschen ebenso eingeschränkte Bilder, wie von Menschen mit Behinderung existieren, weil teilweise angenommen wird, dass diese sehr distanziert, oberflächlich, zurückhaltend und unlocker seien.

Einst hatte ich mit einem Kollegen eines anderen Projektträgers einen mehrstündigen Vortrag zum Gleichstellungs- und Gleichbehandlungsgesetz
in einem Großunternehmen vor 7 PersonalistInnen und einer BetriebsrätIn. Im Laufe des Vortrages kam ich wieder auf die Einsatz- und Arbeitsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung zu sprechen und ich schilderte wieder als Vergleich mein "Fußballspiel".

Im Anschluss an meinen Vortrag, bekam ich von meinem Kollegen sein sehr entsetztes Feedback: "Ich könne doch nicht vor den PersonalistInnen schildern, dass ich Fußball spiele, dieses Thema hätte bei einem fachlichen Vortrag bei PersonalistInnen nichts verloren, vor allem ist er entsetzt, dass ich dadurch ein Stimmungsbild geschaffen habe, wie wenn es sich nicht um ein Seminar vor PersonalistInnen handle, sondern um eine lockere BetriebsrätInnensitzung."

Ein paar Wochen später, stellte mich dieser Kollege einem anderen Personalisten eines Großunternehmens mit den einleitenden Begrüßungsworten: "Stellen sie sich vor, er spielt sogar trotz einer Körperbehinderung mit zwei Stützkrücken Fußball" vor."
(Herbert Pichler, Büro Chancen nutzen)