Keine Gewalt in Haft, fordern Kinder und Jugendliche in Europa

Am 16. Jänner 2013 wurde von der Children’s Rights Alliance for England (CRAE) ein Forschungsbericht präsentiert, der Gewalterfahrungen in Haft von insgesamt mehr als 120 Kindern und Jugendlichen aus fünf europäischen Staaten schildert und Verbesserungsvorschläge der jungen Menschen aufzeigt. Das BIM ist als nationaler Partner für Österreich an diesem Projekt beteiligt.

Das Außergewöhnliche an diesem Projekt ist der methodische Ansatz, der auf peer-to-peer Interviews zwischen jugendlichen Häftlingen beruht, und damit den Häftlingen selbst eine Stimme in Diskussionen zum Jugendstrafvollzug geben soll. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie: welche Gewalterfahrungen machen Jugendliche in Haft, wie gehen sie damit um, wie lässt sich Gewalt vermeiden, und zunächst auch: wie definieren sie selbst überhaupt Gewalt?

Das vom EU-Daphne III-Programm unterstützte Projekt wird zeitgleich in England, den Niederlanden, Rumänien, Zypern und Österreich durchgeführt. In Österreich sind insgesamt 21 junge Häftlinge unmittelbar am Projekt beteiligt. In einer ersten Projektphase wurden von den Häftlingen durch Interviews und in Gruppengesprächen typische Konfliktsituationen erhoben und Empfehlungen formuliert; daran schließt eine Phase zur Diskussion der Umsetzungsmöglichkeiten der Empfehlungen der jungen Häftlinge an.

In der Durchführung des Projekts unterstützt wurde das BIM dabei von der Opferschutzorganisation Weißer Ring, mit Beteiligung des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie, sowie durch das Bundesministerium für Justiz/Vollzugsdirektion. Die Ergebnisse der Erhebung  aus der ersten Phase liegen in ländervergleichender Perspektive vor und können von der Projektwebsite geladen werden: http://www.violencefreecustody.org.uk. Ebenso finden Sie dort (sowie zum download verfügbar) den zweiten ländervergleichenden Bericht  zu den Ergebnissen aus der zweiten Projektphase (Umsetzungsphase mit Kampagnenteams bestehend aus jungen Häftlingen).

Wesentliche Punkte, die auch für Österreich zutreffen, sind auch in der heutigen Presseaussendung (zum download verfügbar) von CRAE (Gesamtprojektleitung) angeführt, zB Bedarf nach effektiveren Beschwerdemechanismen, spezifischerer Ausbildung für Personal und Reduzierung der Verhängung von Haftstrafen selbst.
 

Außerdem liegt in Form einer Broschüre eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus beiden Projektphasen (zum download verfügbar) inklusive der Erhebung in den Haftanstalten und einer Diskussion der Umsetzungsmöglichkeiten in deutscher Sprache vor. Diese Fassung verzichtet möglichst auf Fußnoten und Fachterminologie, um ein möglichst breites Publikum, einschließlich der Projektzielgruppe selbst, anzusprechen.

Weitere Information zu diesem Projekt finden Sie hier.