PUBLIC LECTURE: Entschädigung für Ausbeutung?

Im Rahmen der Public Lecture Series, die von der Forschungsplattform ‚Human Rights in the European Context‘ organisiert wird, fand am 13. April 2011 eine Podiumsdiskussion zum Thema ‚Entschädigung für Ausbeutung? Betroffene des Frauen- und Menschenhandels und ihre Möglichkeiten der Entschädigung in Österreich‘ statt. Die Podiumsdiskussion fand in Kooperation mit dem Bundesministerium für Justiz und LEFÖ statt.

Teilnehmerinnen der Public Lecture v.l.n.r.: Julia Planitzer, Botschafterin Tichy-Fisslberger, Evelyn Probst, Barbara Steiner, Gertraud Eppich.

Bei der Veranstaltung diskutierten Gertraud Eppich (Bundesministerium für Justiz), Evelyn Probst (Koordinatorin der Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel, LEFÖ - IBF), Barbara Steiner (Opferanwältin, Rechtsanwältinnen plaz & steiner) und Botschafterin Elisabeth Tichy-Fisslberger (Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten) Möglichkeiten und Herausforderungen bei der adäquaten Entschädigung von Opfern von Frauen bzw. Menschenhandel. Moderiert wurde die Diskussion von Julia Planitzer (Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte).Fokus der Diskussion war die Frage, welche Faktoren den Zugang zu einer adäquaten Entschädigung für Opfer des Menschenhandels erschweren. Zudem wurden Verbesserungsvorschläge und Änderungsbedarf besprochen. Während Botschafterin Tichy-Fisslberger die Maßnahmen des Außenministeriums erläuterte, um Haushaltshilfen in diplomatischen Haushalten vor Ausbeutung zu schützen, wies Gertraud Eppich darauf hin, dass Gesetzesänderungen und Maßnahmen wie die Spezialisierung der Staatsanwaltschaft die Entschädigung in Zukunft unterstützen soll.
 

Evelyn Probst und Barbara Steiner wiesen nicht nur auf die Erfahrungen aus ihrer täglichen Arbeit hin, sondern konnten auch die Erkenntnisse einer erst kürzlich fertiggestellten Studie zum Thema präsentieren.
Ziel dieser von Julia Planitzer, Evelyn Probst, Barbara Steiner und Barbara Unterlerchner erstellten Studie ist die Erfassung der unterschiedlichen Aspekte zur rechtlichen Situation bei Entschädigungszahlungen für Betroffene des Menschenhandels in Österreich in Theorie und Praxis. Die Diskrepanzen zwischen der Theorie und der Praxis werden beleuchtet und herausgearbeitet. Dazu wurden beispielsweise 76 strafrechtliche Fälle analysiert. Fünf Betroffene von allen 76 Fällen haben tatsächliche eine Entschädigung erhalten.

Die Studie wurde im Rahmen des Netzwerks COMP.ACT Europe erstellt. Das Ziel des Netzwerks in 14 europäischen Ländern ist, die Forderung auf Entschädigung sowohl in nationale Maßnahmen zur Bekämpfung von Menschenhandel als auch in die internationale Politik gegen Menschenhandel einzubinden. Ein weiteres Hauptziel ist die Entwicklung von Instrumenten zur Verankerung dieser Maßnahmen, um für gehandelte Menschen den Zugang zu Entschädigung sicherzustellen. Erstes Ergebnis der Arbeitsgruppe in Österreich, an der unter anderem das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte mitarbeitet, ist die Studie.
Die Durchführung der Studie wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Büros für Demokratische Institutionen und Menschenrechte (OSZE/ODIHR) mit Geldern der Canadian International Development Agency (CIDA), UN.GIFT (Global Initiative to Fight Human Trafficking), dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten und dem Bundesministerium für Justiz.

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