16 Tage gegen Gewalt an Frauen - Flucht und Asyl

Aus Anlass der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen, die vom 25.11. bis 10.12.2016 stattfinden, richten wir unsere Aufmerkamkeit auf geschlechtsspezifisiche Gewalt gegen Frauen und Mädchen auf der Flucht - ein Thema, das bislang wenig Beachtung gefunden hat. Es gibt kaum Daten und verlässliche Informationen über die spezifische Situation und Gewalterfahrungen von Frauen und Mädchen, die ihr Heimatland verlassen haben. Die wenigen Berichte von internationalen Organisationen, wie UNHCR (UN-Flüchtlingskommissariat), Women’s Refugee Women, European Women’s Lobby, weisen jedoch deutlich darauf hin, dass insbesondere alleinreisende Frauen, alte Frauen, weibliche minderjährige unbegleitete Flüchtlinge einem besonders hohen Gewaltrisiko ausgesetzt sind.

Geschlechtsspezifische Gewalt

Frauen und Mädchen flüchten häufig aufgrund massiver Frauenrechtsverletzungen aus ihren Herkunftsländern (z.B. häusliche Gewalt, Zwangsheirat, Frauenhandel, Zwangsprostitution, weibliche Genitalverstümmelung, etc.) und sind während ihrer gefährlichen Reise abermals psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt durch beispielsweise Polizei, Sicherheitsfirmen, Schlepperorganisationen ausgesetzt. In den Aufnahmeländern selbst – wenn sich die Frauen und Mädchen bereits in Sicherheit wiegen – erleiden viele von ihnen wiederum häusliche Gewalt durch ihre (Ehe)PartnerInnen oder MitarbeiterInnen von Flüchtlingsunterkünften.

Zum einen sind sie nicht nur von vielfältiger Gewalt betroffen, sondern erhalten in den wenigsten Fällen adäquate Unterstützung in Form von psychologischer, medizinischer und rechtlicher Hilfe.

Obwohl viele Staaten, seien es Herkunfts- Transit oder Aufnahmeländer frauenrechtsrelevante Abkommen, wie z.B. die Frauenrechtskonvention und die Allgemeinen Empfehlung Nr. 32 oder die Istanbulkonvention gegen Gewalt an Frauen ratifiziert haben und verpflichtet wären, Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen und ihnen geeignete Unterstützungsleistungen zur Verfügung zu stellen, kommen die meisten Länder diesen Forderungen in der Praxis selten nach.

Empfehlungen:

  • Alternative, sichere Einreisemöglichkeiten, insbesondere Familienzusammenführung
  • Zugang zu psychologischer/therapeutischer und medizinischer Versorgung und zu entsprechenden Rechtsmitteln
  • Separate Unterbringungsmöglichkeiten für Frauen und Männer
  • Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen für MitarbeiterInnen in der Polizei, Sicherheitsfirmen und Flüchtlingsunterkünften
  • Berücksichtigung frauenspezifischer Verfolgungsgründe bei Gewährung von Asyl

Zusätzliche Informationen zum Thema  finden Sie im BIM Positionspapier Nr. 7 zu Frauen und Mädchen auf der Flucht und im Webeintrag zum Vortag zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen auf der Flucht vom 12.11.2016 in Linz im Rahmen einer Multiplikatorinnenseminars der katholischen Frauenbewegung.