25. November: Internationaler Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen

Die 16 Tage gegen Gewalt (25.11. bis 10.12.) rufen wieder eindrücklich in Erinnerung, dass Frauen und Mädchen nach wie vor von genderspezifischer Gewalt und Diskriminierung betroffen sind. 

Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und seit Langem ein Schwerpunktthema am LBI-GMR. Frauen und Mädchen stellen keine homogene Gruppe dar und unterscheiden sich mitunter erheblich aufgrund ihrer Biographien und ihrer sozialen/nationalen Herkunft. Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen sowie Abhängigkeitsverhältnisse erhöhen das Gewaltrisiko. Das LBI-GMR forscht daher seit vielen Jahren auch zur Situation von Gewalt an Frauen mit Behinderungen, die im besonderen Maß von Gewalt betroffen sind.

Effektiver Gewaltschutz beinhaltet neben gesetzlichen Rahmenbedingungen vor allem eine gut funktionierende interinstitutionelle Zusammenarbeit aller Akteur*innen und entsprechendes Wissen bzw. Bewusstsein, nicht nur bei Professionalist*innen bei der Polizei, Justiz, Schule, Gesundheitsbereich, sondern auch innerhalb der Bevölkerung.

Im Bereich Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt bietet die Istanbul-Konvention des Europarates ein umfassendes Regelwerk.

Im Rahmen von EU-Twinning Projekten unterstützt das LBI-GMR Kandidatenländer der EU-Erweiterung sowie Nachbarschaftsländer der EU, ihre menschenrechtlichen und rechtsstaatlichen Standards zu verbessern, so auch im Bereich Gewaltschutz.

Seit Herbst 2020 ist unser Institut an einem umfangreichen EU-Projekt zum Thema Schutz vor häuslicher Gewalt in Aserbaidschan beteiligt. Dabei handelt es sich um eine multinationale Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und den EU-Mitgliedsstaaten Litauen und Österreich, vertreten durch das LBI-GMR, mit dem Ziel der Stärkung von Kapazitäten staatlicher Akteure, insbesondere von Schutz- und Verweisungsmechanismen auf lokaler Ebene, um Sicherheit und Schutz von Opfern häuslicher Gewalt zu gewährleisten.

Aserbaidschan hat im November 2020 einen weitreichenden Nationalen Aktionsplan 2020-2023 gegen häusliche Gewalt beschlossen, um verstärkt gegen Gewalt an Frauen, sowie an Kindern, vorzugehen. Die Herausforderungen sind vielfältig und reichen vom Vorherrschen patriarchaler Familienstrukturen insbesondere in ländlichen Gebieten über Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen in der Kaukasusregion bis zu ungenügenden strukturellen Kapazitäten für effektive Kooperation zwischen lokalen Akteuren (Polizei, Opferschutzzentren für Frauen, Kinder, Familien, Gesundheitswesen, Schulen).

Aktuell, im November 2021, führt das LBI-GMR ein „Train-the-Trainer“-Programm mit Schwerpunkt auf umfassender Datenerhebung und Analyse zu häuslicher Gewalt durch. Damit sollen die Kapazitäten sowohl für die Bearbeitung individueller Fälle von Gewalt ebenso gestärkt werden wie Möglichkeiten des Erkennens struktureller Diskriminierung und anderer Einflussfaktoren von Gewalt an Frauen. Zielgruppe sind Mitglieder dezentraler „Monitoring-Gruppen“ (Polizei, lokale Behörden für Gesundheit, Arbeit, Bildung, Opferschutzeinrichtungen), die in den Regionen Aserbaidschans koordinierend Gewaltschutz und -prävention sicherstellen sollen. Als Trainer*innen sind Dunja Gharwal, Kinder- und Jugendanwältin der Stadt Wien, und Helmut Sax, Senior Researcher am LBI-GMR, im Einsatz. Bisher haben 80 Personen aus Aserbaidschan teilgenommen, bis Ende des Jahres werden 150 Personen von diesem Wissen profitieren und zukünftig in ihrer täglichen Arbeit im Fall von häuslicher Gewalt anwenden können.

 

Das Training Manual, welches im Rahmen dieses EU finanzierten Projekts erstellt wurde, finden Sie unten im Downloadbereich.

Details
Datum: 
Donnerstag, 25. November 2021 (Ganztägig)
Ort: 
Weltweit