Europäische Beobachtungsstelle für den Strafvollzug: Strategien und Programme zur Deradikalisierung und Risiko-Evaluierung

Es handelt sich um ein von der EU (DG Justice) finanziertes Projekt, dessen Ziel es ist, Strategien und Programme im Umgang mit radikalisierten und extremistischen Inhaftierten in sieben europäischen Ländern zu analysieren, und dabei Good-Practice Beispiele in Bezug auf Deradikalisierung im Kontext Haft zu identifizieren. Darüber hinaus dient das Projekt dem Wissensaustausch zwischen den teilnehmenden Ländern. Das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte (BIM) fungiert im Projekt als nationaler Partner und analysiert die österreichische Situation, indem Programme und Maßnahmen zur Deradikalisierung, inkl. Instrumente zur Gefahreneinschätzung extremistischer StraftäterInnen im Strafvollzug recherchiert und mithilfe einer Menschenrechtsperspektive bewertet werden.

Es geht darum, die Erfolgsaussichten bereits erprobter, aber auch innovativer Ansätze der Extremismusbekämpfung in Gefängnissen zu evaluieren. Dabei wird besonders auf die Differenzierung der Kategorien „Alter“ und „Geschlecht“ geachtet. Leitende Fragestellungen hierbei lauten:

  • Welche Programme und Maßnahmen eröffnen den Betroffenen neue Zukunftsperspektiven abseits ihrer terroristischen und/oder extremistischen Vergangenheit?
  • Welche Maßnahmen senken das Risiko von wiederholten extremistisch motivierten Straftaten und gewährleisten so öffentliche Sicherheit nach der Entlassung?

Neben der sozialen Reintegration in die Gesellschaft, steht auch der Präventionsgedanke im Vordergrund, um etwa junge Häftlinge während ihrer Haft vor der Radikalisierung durch andere Insassen zu bewahren. Wesentlich erscheinen in diesem Kontext Programme, die alternativ zur Haft entwickelt wurden, wie beispielsweise Diversionsmaßnahmen oder gemeinnützige Tätigkeiten.

Die teilnehmenden nationalen Partner erstellen Länderberichte über die jeweilige rechtliche Situation, Strategien, Programme und politischen Maßnahmen und identifizieren Good-Practice Beispiele im Bereich der Deradikalisierungsarbeit. Vorgesehen sind Projekttreffen und nationale Konferenzen, die der Präsentation und dem Austausch von Forschungsergebnissen dienen. Im Herbst 2019 werden insgesamt acht nationale Länderberichte, sowie eine europäische Vergleichsstudie veröffentlicht. Letztere wird Handlungs­empfehlungen für die EU, sowie nationale und regionale AkteurInnen beinhalten, wie Good-Practice Beispiele im Bereich Deradikalisierung auf andere Länder übertragen werden könnten. Es werden europaweite Netzwerke, wie beispielsweise das Radicalisation Awareness Network, herangezogen, um wichtige Inhalte so weit wie möglich zu verbreiten. Die Resultate des Projekts mitsamt den Empfehlungen sollen PraktikerInnen, wie etwa JustizwachebeamtInnen, LeiterInnen von Gefängnissen, GefängnispsychologInnen, ExpertInnen der Bewährungshilfe, etc. sowie politischen EntscheidungsträgerInnen bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen.



 

Land: 
Österreich, Italien, Portugal, Spanien, Lettland, Deutschland, Griechenland
Beteiligte Personen : 

Sabine Mandl (Team Social Justice), Nora Katona (Team Menschenwürde und öffentliche Sicherheit)

Kontakt: 
Trägerorganisation: 
Associazione Antigone Onlus (IT)
Partnerorganisationen: 
BIM (AT); Fachhochschule Dortmund (DE); European Public Law Organization (GE); Associazione Antigone (IT); Università degli Studi di Torino (IT); Latvian Centre for HR (LV); OSPDH (E); ISCTE (P)
Projektstart: 
11/2017
Projektende: 
10/2019
Gefördert von: 
Europäische Kommission (DG Justice)
Team: 
Human Dignity and Public Security