Leitbild

Theorie und Praxis
Das BIM ist ein unabhängiges, außeruniversitäres Forschungsinstitut. Seine primäre Aufgabe ist die wissenschaftliche Erforschung der Menschenrechte, die sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung umfasst. Dabei positioniert sich das BIM bewusst im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis und erhebt den Anspruch einer engagierten Wissenschaft, die nicht nur auf die Gewinnung neuer theoretischer Erkenntnisse ausgerichtet ist. Das BIM will mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit einen Beitrag zur Veränderung bestehender Verhältnisse im Sinne der Menschenrechte und zur Verbesserung der Lebenssituation verfolgter, diskriminierter oder sonst benachteiligter Menschen leisten. Menschenrechte sind das einzige universell anerkannte Wertesystem der Gegenwart, zu dessen Beachtung und Umsetzung die Staaten und die Staatengemeinschaften verpflichtet sind.
Da die Menschenrechte letztlich alle Lebensbereiche umfassen, erfordert ihre Erforschung methodisch einen multi- und interdisziplinären Ansatz, der neben der Rechtswissenschaft die Sozial-, Kultur-, Wirtschafts- und Humanwissenschaften umfasst. Über die Intensivierung der Zusammenarbeit dieser Disziplinen hinaus wird die Einbeziehung anderer relevanter Disziplinen (beispielsweise Medizin, Statistik, Umweltwissenschaft oder Technik) angestrebt.

Ganzheitlicher Ansatz
Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung des BIM sind die Menschenrechte. Wir erforschen diese mit einem holistischen Ansatz, der alle in internationalen Menschenrechtsdokumenten oder nationalen Verfassungen verankerten bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und kollektiven Menschenrechte umfasst. Darüber hinaus wenden wir an den Menschenrechten orientierte Modelle und Methoden an, um unterschiedlichste Phänomene – wie z.B. Entwicklung und Armut, Frieden und Stabilität, Freiheit und Sicherheit, Drogen- und Umweltpolitik, die Situation benachteiligter und diskriminierter Menschen oder die soziale Verantwortung von Unternehmen – zu analysieren und Politikempfehlungen abzugeben, die auf eine Verbesserung der menschenrechtlichen Situation abzielen. Die wesentlichen Säulen des Menschenrechtsansatzes sind „Empowerment“ durch die Anwendung durchsetzbarer Menschenrechte mit korrespondierenden Pflichten, Verantwortung und unabhängiger Kontrolle, das Prinzip von Gleichheit und Nicht-Diskriminierung sowie die Partizipation der von konkreten Maßnahmen betroffenen Menschen.
Auf der Grundlage dieses holistischen Zugangs beschränken wir unsere wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht auf einzelne Menschenrechte oder geografisch, streben aber eine Strukturierung unserer Arbeit an, die inhaltliche Schwerpunkte setzt und sich am Stand des aktuellen oder eines sich abzeichnenden Menschenrechtsdiskurses orientiert.

Engagierte Wissenschaft
Menschenrechtliche Fragen und Probleme werden auf lokaler, nationaler (v.a. österreichischer), regionaler (v.a. europäischer) und internationaler Ebene gleichermaßen und im Verhältnis dieser Ebenen zueinander analysiert. Als engagierte ForscherInnen begreifen wir uns dabei als Teil der wissenschaftlichen Zivilgesellschaft, die bewusst im Spannungsfeld zwischen Staat, Politik, Wirtschaft, Medien, nicht-staatlichen Organisationen (NGOs) und individuellen MenschenrechtsverteidigerInnen angesiedelt ist. Wir verstehen uns nicht als NGO, sehen es aber als unsere Aufgabe an, die Ergebnisse unserer Forschung jenen Kräften zur Verfügung zu stellen, die sich für Menschenrechte einsetzen. Auch wollen wir im Dienste der Menschenrechte zwischen unterschiedlichen Positionen vermitteln und beraten staatliche, zwischen-staatliche und nicht-staatliche Akteure einschließlich Wirtschaft und Medien.

Vernetzung, Beratung, Dokumentation und Training
Durch die Qualität unserer Arbeit, die Professionalität unserer MitarbeiterInnen und aktives Engagement streben wir eine Mitgliedschaft und Mitwirkung in Forschungsnetzwerken sowie in wissenschaftlich beratender Funktion auch in anderen menschenrechtlich relevanten Zusammenschlüssen in Österreich, Europa und auf internationaler Ebene an. Schließlich wollen wir durch unsere Dokumentations- und Serviceeinrichtungen, wissenschaftliche Lehre, Publikationen sowie Trainings für unterschiedlichste Zielgruppen zur Bewusstseinsbildung, Verbreitung und Förderung der Menschenrechte beitragen. Menschenrechtsbildung stellt im Spektrum der Tätigkeiten des BIM einerseits Bewusstseins- und Sensibilisierungsarbeit dar sowie eine Methode, mit der die Verbreitung von Forschungsergebnissen umgesetzt wird. Im Sinne einer Weiterentwicklung sollen Fragen der Menschenrechtsbildung andererseits gezielt zum Forschungsgegenstand werden.

Finanzierung
Das BIM finanziert sich seit seiner Gründung zum überwiegenden Anteil über Projekte. Die Tätigkeit des Instituts ist nicht auf Gewinn ausgerichtet, die Einnahmen fließen neben der unmittelbaren Projektdurchführung in die Finanzierung der Infrastruktur des Instituts. Wir sehen es als eine Zielsetzung, den Anteil projektunabhängiger Einnahmen weiter auszubauen, um neben dem Erhalt des laufenden Betriebs mehr Spielräume für freie Forschung zu schaffen und für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen.

MitarbeiterInnenförderung
Wie auf inhaltlicher Ebene fühlen wir uns auch im Umgang miteinander – das heißt mit den MitarbeiterInnen des Instituts und unseren KooperationspartnerInnen – den Menschenrechten als Leitbild verpflichtet. Das bedeutet vor allem Gleichheit und Nicht-Diskriminierung, Vielfalt, Partizipation an internen Entscheidungsfindungsprozessen, Respekt des/der jeweils Anderen, faire und gesunde Arbeitsbedingungen, Möglichkeiten zur Weiterbildung sowie angemessene Gehälter. Diese Prinzipien versuchen wir in unserer Organisationsstruktur widerzuspiegeln und umzusetzen. Darüber hinaus sehen wir es als unsere Aufgabe an, für MitarbeiterInnen den Raum zur Weiterentwicklung innerhalb des BIM sicherzustellen und sie in ihrer Laufbahn (zum Beispiel bei Dissertationen, Habilitationen oder beim Wechsel zu anderen Forschungseinrichtungen, nationalen Behörden und europäischen oder internationalen Organisationen) zu unterstützen.