Runder Tisch Armutsmigration und Kinderrechte erstmals in Wien

TeilnehmerInnen des Runden Tisches

Am 26. März 2015 veranstaltete das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte im Kolpinghaus Wien einen ganztägigen Runden Tisch zum Thema “Kinderschutz und Armutsmigration aus kinderrechtlicher Perspektive“. Mehr als 30 VertreterInnen von staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen aus fünf Bundesländern sowie ExpertInnen aus Bulgarien nahmen an diesem ersten Austauschtreffen in Wien teil.
Den Hintergrund dazu bildet das aktuelle EU-Projekt “CONFRONT – Formen von Kinderhandel und Zuschreibungen in Bezug auf Roma“, an dem das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, in Zusammenarbeit mit ECPAT Österreich, beteiligt ist.

Armutsmigrationen nach Österreich sind in den letzten Jahren verstärkt Gegenstand öffentlicher Debatten geworden, doch eine an der Situation der Kinder orientierte, kinderrechtliche Perspektive fehlt zu diesem schwierigen, sensiblen und oftmals wenig differenziert bearbeitetem Thema weitgehend. Der Runde Tisch bot nun erstmals in Wien Gelegenheit, kinderrechtliche Fragestellungen offen anzusprechen und einen Erfahrungsaustauch zu initiieren, der bestehende Expertise und Initiativen in Österreich aufgreift und Wege einer effektiveren Zusammenarbeit diskutiert.

Zu den TeilnehmerInnen zählten daher zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure aus Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark und Wien, einschließlich sozialer Einrichtungen und lokaler Initiativen, Kinder- und Jugendhilfe, Kinder- und Jugendanwaltschaft, Roma-Organisationen, Roma-Kontaktstelle im BKA, Mitglieder der Task Force Menschenhandel/Arbeitsgruppe Kinderhandel, International Organization for Migration, Diversitätsabteilung des Magistrats Wien, ForscherInnen aus den Bereichen Soziale Arbeit und Kinderrechte, sowie Gäste aus München bzw. Bulgarien (bulgarische Kinderschutzbehörde und Center for the Study of Democracy in Sofia, Gesamtprojektleitung).

Inhaltliche Schwerpunkte bildeten Berichte aus den Bundesländern zu Armutsmigration und Kinderschutzfragen, Diskurse über Roma und ihre Darstellung in den Medien, Betteln und die Auswirkungen von Bettelverboten sowie Kinderhandel aus einer Kinderrechtsperspektive und grenzüberschreitende Aspekte der Zusammenarbeit. Dabei wurde zunächst deutlich, dass es zur Zeit an österreichweiten Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten zu Armutsmigration mangelt; ebenso aber auch an konkreten, in allen Bundesländern für Kinder bzw. Familien zur Verfügung stehenden  grundlegenden Versorgungs- und Betreuungsangeboten, die auch nicht bloß Bestandteil von nur temporären „Winterpaketen“ sozialer Einrichtungen sein dürfen. Die Bedeutung der direkten Zusammenarbeit mit Roma-Organisationen wurde ebenso unterstrichen wie ein intensiverer Austausch zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Polizei und weiteren Akteuren im adäquaten Umgang mit Kindern betont. Für spezifische Fälle von Kinderhandel sollten endlich Anlaufstellen für österreichweite Zusammenarbeit und Betreuung etabliert werden; und im öffentlichen bzw. medialen Diskurs sollte insgesamt mehr Sorgfalt zur Vermeidung diskriminierender oder kriminalisierender Sprache verwendet werden.

Zum Abschluss gab es zahlreiche Interessensbekundungen der unterschiedlichen TeilnehmerInnen für eine weitere Zusammenarbeit und Vernetzung. Auch das Ludwig Boltzmann-Institut für Menschenrechte leistet dazu gerne weiterhin Beiträge, denn eine Fortsetzung dieses Dialogs und konkrete follow-up-Maßnahmen, insbesondere auch in Wien, für betroffene Kinder und ihre Familien wären wünschenswert und notwendig.

Das BIM dankt Mira Yordanova und Irina Pandeva für die Dolmetscharbeiten und Tanja Paar (Der Standard) für die Moderation.

 Das Projekt wurde gefördert aus Mitteln des ISEC-Programms der EU-Kommission,
mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres